Um ein Baby bei kaltem Wetter anzuziehen, gilt als Grundregel: eine Kleidungsschicht mehr als ein Erwachsener in derselben Situation trägt. Alles Weitere hängt vom Schichtenprinzip, den Materialien und der regelmäßigen Kontrolle ab. Ein Baby reguliert seine Temperatur nicht wie wir – in beide Richtungen: Es kühlt schnell aus, überhitzt aber ebenso schnell.
Dieser Ratgeber bietet konkrete Orientierung für zu Hause, unterwegs, im Kinderwagen, im Auto und in der Nacht. Außerdem werden die häufigsten Fehler beschrieben, die bei Einbruch der kalten Jahreszeit immer wieder vorkommen.
Wie viele Schichten braucht ein Baby bei kaltem Wetter?
Die kurze Antwort: so viele Schichten, wie Sie tragen, plus eine. Wenn Sie ein T-Shirt und einen Pullover tragen, trägt Ihr Baby einen Body, einen Pullover und eine zusätzliche leichte Schicht.
Diese Regel gilt vor allem für Babys unter sechs Monaten, die sich wenig bewegen und daher nur wenig Wärme erzeugen. Ein Kind, das läuft und rennt, wärmt sich selbst auf: Ab diesem Zeitpunkt ist die zusätzliche Schicht in Innenräumen oft nicht mehr nötig.
Das Drei-Schichten-Prinzip
Mehrere Schichten funktionieren besser als ein einzelnes dickes Kleidungsstück. So kann je nach Aufenthaltsort eine Schicht aus- oder wieder angezogen werden.
- Basisschicht: Sie liegt direkt auf der Haut und leitet Feuchtigkeit ab. Feine Merinowolle ist am wirksamsten, Baumwolle ist in Ordnung, speichert den Schweiß jedoch.
- Zwischenschicht: Sie isoliert. Wolle, feines Fleece oder dicker Strick.
- Außenschicht: Sie schützt vor Wind und Regen. Sie wird nur draußen benötigt und beim Hereinkommen ausgezogen.
Woran erkennt man, ob einem Baby kalt oder zu warm ist?
Verlassen Sie sich nicht auf die Hände oder Füße. Die periphere Durchblutung von Babys ist noch nicht ausgereift: Ihre Extremitäten fühlen sich oft kühl an, obwohl die Körpertemperatur völlig normal ist.
Der beste Anhaltspunkt ist der Nacken. Schieben Sie zwei Finger unter die Kleidung in den Nacken. Die Haut sollte warm und trocken sein.
Ein feuchter Nacken oder Schweiß am Rücken weisen auf zu viele Schichten hin. Sehr rote Wangen, schnelle Atmung und ungewöhnliche Unruhe deuten ebenfalls darauf hin. Ist der Nacken hingegen deutlich kühl, sollte eine weitere Schicht angezogen werden.
In Innenräumen: weniger, als man denkt
In einer auf 19 bis 20 Grad beheizten Wohnung reichen tagsüber ein langärmeliger Body und eine Strickjacke oder ein Pullover aus. Mehrere Schichten übereinander sind nicht nötig.
Die eigentliche Schwachstelle in Innenräumen ist nicht die Luft, sondern der Boden. Fliesen oder ein nicht isolierter Parkettboden bleiben deutlich kälter als der Raum – und dort verbringen Babys beim Spielen am Boden lange Stunden.
Diese Zone zu isolieren, bringt mehr als eine zusätzliche Schicht auf dem Rücken. Eine faltbare und wendbare Spielmatte aus Schaumstoff verhindert den direkten Kontakt mit dem kalten Boden und dämpft zugleich Stürze. Die Wahl des Materials bestimmt ihre Isolierwirkung. Dieses Thema wird ausführlich in unserem Ratgeber zu Schaumstoffmatten behandelt.
Wenn Sie beim Standort unsicher sind, insbesondere über einer Fußbodenheizung, behandelt unser Artikel darüber, wo eine Spielmatte auf Boden, Parkett oder Fußbodenheizung aufgestellt werden kann, die besonderen Fälle.
Unterwegs: Kopf, Hände und Füße
Der Wärmeverlust über den Kopf ist bei Babys anteilig größer als bei Erwachsenen. Ihr Kopf macht einen deutlich größeren Anteil der Körperoberfläche aus. Eine Mütze ist daher kein bloßes Accessoire.
Wählen Sie eine Mütze, die die Ohren bedeckt und sitzt, ohne zu drücken. Fäustlinge sind wirksamer als Handschuhe: Die Finger wärmen sich gegenseitig. Wollsocken unter den Schühchen runden die Kleidung ab.
Im Kinderwagen
Ein Baby im Kinderwagen bewegt sich nicht und ist dem Gegenwind ausgesetzt. Es braucht mehr Kleidung als Sie, die zu Fuß unterwegs sind. Ein Fußsack oder eine Decke über den Beinen macht einen deutlichen Unterschied.
Das Gegenteil ist jedoch ebenfalls zu beachten: Wird die Babywanne mit einer dicken Decke abgedeckt, wird die Luftzirkulation eingeschränkt und die Temperatur steigt sehr schnell an. Ein Regenschutz ohne ausreichende Belüftung hat denselben Effekt.
Der erste Winter eines Neugeborenen
Mit einem Neugeborenen bei kaltem Wetter nach draußen zu gehen, ist möglich und empfehlenswert, sofern die Dauer angepasst wird. Beginnen Sie mit kurzen Ausflügen, geschützt vor Wind. Unser Artikel über die ersten Ausflüge beschreibt die schrittweise Steigerung ausführlich.
In den nordischen Ländern ist der Mittagsschlaf im Freien bei Minustemperaturen eine gängige und dokumentierte Praxis. Sie beruht auf sorgfältiger Kleidung und ständiger Beobachtung, die in unserem Artikel über den Mittagsschlaf im Freien beschrieben werden.
Im Auto: Die Jacke muss ausgezogen werden
Dies ist der wichtigste Sicherheitshinweis in diesem Artikel. Ein dicker Overall oder eine wattierte Jacke wird bei einem Aufprall unter dem Gurt des Kindersitzes zusammengedrückt.
Der Gurt wirkt beim Start zwar fest angezogen, doch die Dicke der Daunenjacke wird beim Aufprall sofort zusammengedrückt. Dadurch entsteht ein Spielraum von mehreren Zentimetern, und das Kind kann unzureichend gesichert sein.
Die empfohlene Vorgehensweise ist einfach: Ziehen Sie die Jacke aus, setzen Sie das Kind in den Sitz und ziehen Sie den Gurt fest. Legen Sie anschließend die Jacke verkehrt herum über das Kind oder eine Decke über die Gurte. Der Komfort bleibt gleich, während das Kind weiterhin korrekt gesichert ist.
In der Nacht: Schlafsack statt Decke
Die in Frankreich empfohlene Raumtemperatur liegt zwischen 18 und 20 Grad. Eine höhere Raumtemperatur erhöht das Risiko einer Überhitzung.
Der Schlafsack ersetzt Bettlaken, Decken und Bettdecken, die im Bett eines Babys nichts zu suchen haben. Seine Wärme wird mit dem TOG-Wert angegeben: etwa 2,5 für ein Zimmer mit 18 Grad, etwa 1 für ein Zimmer mit 21 Grad.
Unter dem Schlafsack reicht ein Schlafanzug aus Baumwolle oder feiner Wolle. Die Mütze wird in Innenräumen abgesetzt: Beim Schlafen verhindert sie die Abgabe von Wärme. Alle Empfehlungen für sicheres Schlafen finden Sie in unserem Artikel über sicheres Schlafen.
Die häufigsten Fehler
Die Jacke in Innenräumen anzulassen, steht an erster Stelle. Im Geschäft, im beheizten Auto oder bei Freunden überhitzt das Kind innerhalb weniger Minuten und schwitzt. Geht es anschließend mit feuchter Kleidung wieder nach draußen, kühlt es dadurch noch stärker aus.
Der zweite Fehler besteht darin, sich wegen kalter Hände für eine zusätzliche Schicht zu entscheiden. Der dritte ist die Wahl eines nicht atmungsaktiven synthetischen Materials als Basisschicht, das Feuchtigkeit auf der Haut hält.
Der vierte Fehler: so viele Socken übereinander anzuziehen, dass der Fuß im Schühchen eingeengt wird. Ein eingeengter Fuß kühlt schneller aus, nicht langsamer.
Das Wichtigste in Kürze
Ein Baby bei kaltem Wetter anzuziehen, beruht auf drei einfachen Grundsätzen: eine Schicht mehr als der Erwachsene, mehrere dünne Schichten statt einer dicken und die Kontrolle im Nacken. Im Auto und in Innenräumen wird die Jacke immer ausgezogen.
Die Kälte der Luft wird durch Kleidung reguliert. Die Kälte des Bodens wird durch den Boden reguliert. Beides kann einander nicht ersetzen. Für die warme Jahreszeit wendet unser Artikel über Babys und große Hitze dieselbe Kontrolllogik an.