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Vergiftungsunfälle bei Kindern: die Zahlen der Anses

Weißes Regal mit hoch verstauten Flaschen, Vorbeugung von Vergiftungsunfällen bei Kindern – Treelys®

Vergiftungsunfälle bei Kindern betreffen vor allem die Kleinsten: Laut Anses liegt das Medianalter der betroffenen Kinder bei 2 Jahren. Zwischen 2014 und 2020 verzeichneten die französischen Giftinformationszentren (centres antipoison) 590.444 unbeabsichtigte Expositionen bei unter 15-Jährigen. Hauptursachen sind Medikamente und Haushaltsprodukte, die tödlichste ist Kohlenmonoxid.

Diese Zahlen stammen aus einem Toxikovigilanz-Bericht der Agence nationale de sécurité sanitaire (Anses, die französische Behörde für Lebensmittel-, Umwelt- und Arbeitsschutz), der im Februar 2024 veröffentlicht wurde. Er führt drei Quellen zusammen: Anrufe bei den Giftinformationszentren, Krankenhausaufenthalte und Totenscheine.

Wie viele Kinder sind von Vergiftungsunfällen betroffen?

Von den 590.444 unbeabsichtigten Expositionen, die den Giftinformationszentren zwischen 2014 und 2020 gemeldet wurden, führten 24 % zu Symptomen, also 143.144 Fälle. Das entspricht rund 20.000 Vergiftungen mit Symptomen pro Jahr bei unter 15-Jährigen. Die große Mehrheit der Expositionen bleibt also folgenlos, doch die Zahl ist beträchtlich.

Das Durchschnittsalter der betroffenen Kinder liegt bei 3,1 Jahren, das Medianalter bei 2 Jahren. Am häufigsten betroffen sind Kinder zwischen 1 und 5 Jahren. In diesem Alter bewegt sich das Kind selbstständig, öffnet Schränke und steckt alles in den Mund, ohne die Gefahr zu erkennen.

Dieser Entdeckerdrang ist normal, wie wir in unserem Artikel darüber erklären, warum Babys alles in den Mund stecken. Anpassen muss man die Umgebung, nicht das Kind.

Krankenhausaufenthalte und Todesfälle

  • 22.785 Krankenhausaufnahmen wegen Vergiftungsunfällen bei unter 6-Jährigen zwischen 2014 und 2019, davon 559 auf der Intensivstation (2,5 %).
  • 382 schwere Fälle und 10 Todesfälle unter den Vergiftungen mit Symptomen, die den Giftinformationszentren gemeldet wurden, also 0,3 % davon.
  • 23 Todesfälle durch Vergiftungsunfälle bei unter 15-Jährigen zwischen 2014 und 2017, laut Totenscheinen.

Welche Produkte verursachen bei Kindern die meisten Vergiftungen?

Die Rangfolge ändert sich, je nachdem, ob man alle Expositionen betrachtet, nur die mit Symptomen oder die schweren Fälle.

  • Über alle Expositionen hinweg liegen Medikamente vorn (32 %), vor Reinigungs-, Pflege- und Entkalkungsmitteln (19 %).
  • Bei Vergiftungen mit Symptomen liegen Reinigungsmittel vorn (rund 30 %), Medikamente machen 16 % aus.
  • Bei schweren Vergiftungen sind Medikamente wieder die häufigste Ursache, mit 34 % der Fälle.

Wäschemittel

Fast die Hälfte der Vergiftungen durch Haushaltsprodukte (45 %) geht laut Anses auf Wäschemittel zurück. Flüssigwaschmittel-Kapseln ziehen kleine Kinder durch ihre Farben und ihre Beschaffenheit an. Wenn sie platzen, können sie Atembeschwerden oder Augenverletzungen verursachen.

Medikamente

Medikamente, die auf das Nervensystem wirken, opioidhaltige Schmerzmittel und bestimmte Herzmedikamente gehören zu den gefährlichsten. Bei einem kleinen Kind kann schon eine einzige Einnahme ausreichen. Ein weiteres Risiko sind Dosierungsfehler: Unser Artikel zur Paracetamol-Dosis nach Körpergewicht erklärt, wie Sie eine Überdosierung vermeiden.

Kohlenmonoxid und Cannabis

Bei unter 6-Jährigen ist Kohlenmonoxid die häufigste Ursache für Krankenhausaufnahmen wegen Vergiftung (11 %) und die zweithäufigste Ursache für Aufnahmen auf die Intensivstation (21 %). Es ist auch die häufigste Todesursache: 9 der 23 zwischen 2014 und 2017 erfassten Todesfälle. Dieses Gas ist farblos, geruchlos und reizt nicht, ohne Melder ist es also nicht zu erkennen.

Cannabis wiederum ist bei unter 6-Jährigen die häufigste Ursache für Aufnahmen auf die Intensivstation wegen Vergiftung, mit 23 % der Aufnahmen. Die Anses betont, dass diese Vergiftungen immer häufiger werden und eine schnelle ärztliche Versorgung erfordern, schon bei bloßem Verdacht.

Knopfzellen und Kleinteile

In den von der Anses ausgewerteten Fällen hatten 19 Kinder eine Knopfzelle aus einem Spielzeug oder einer Fernbedienung verschluckt. Eine verschluckte Knopfzelle kann die Speiseröhre innerhalb weniger Stunden verätzen: Schon bei Verdacht ist sofort ärztlicher Rat nötig.

Was tun bei einem Vergiftungsunfall beim Kind?

Die Anses gibt zwei Empfehlungen, je nachdem, wie ernst die Lage ist.

  • Anzeichen einer Notlage (Bewusstlosigkeit, Atemnot, Krampfanfälle): Rufen Sie in Frankreich die 15 oder die 112 an, oder die 114 für gehörlose und schwerhörige Menschen.
  • In allen anderen Fällen, auch ohne Symptome: Rufen Sie ein Giftinformationszentrum an, das rund um die Uhr erreichbar ist. Die Anses nennt die Nummer des Pariser Zentrums, 01 45 42 59 59.

Bewahren Sie die Verpackung des Produkts auf, um es am Telefon beschreiben zu können. Bringen Sie das Kind nicht zum Erbrechen und geben Sie ihm ohne ärztlichen Rat nichts zu trinken.

So beugen Sie Vergiftungen zu Hause vor

  • Hoch und verschlossen aufbewahren: Medikamente und Haushaltsprodukte, gleich nach der Benutzung.
  • Niemals umfüllen: kein Produkt in eine Getränkeflasche oder ein Trinkglas.
  • Waschmittelkapseln verschlossen in ihrer Originalverpackung aufbewahren, außer Reichweite.
  • Heizgeräte jedes Jahr warten lassen und die Wohnung lüften, niemals eine improvisierte Zusatzheizung verwenden.
  • Batteriebetriebenes Spielzeug prüfen: Das Batteriefach muss verschraubt sein.
  • An andere Wohnungen denken: Großeltern, Tagesmutter, Freunde. Dort sind Medikamente oft weniger gut gesichert.

Wie Sie jeden Raum sicher machen, erklärt unser Ratgeber zum Thema Wohnung babysicher machen mit den wichtigsten Handgriffen. Vergiftungen gehören zu einem größeren Gesamtbild, das unser Artikel über Unfälle im Alltag von Kleinkindern beschreibt. Verbrühungen mit heißem Wasser behandelt ein eigener Artikel: Verbrühungen mit heißem Wasser beim Baby. Behalten Sie außerdem die Rückrufe von Babyprodukten im Blick, um über aus dem Verkauf genommenes Spielzeug und andere Artikel informiert zu sein.

Quellen

  • Anses, „Expositions accidentelles à des toxiques chez les enfants“, Studienbericht zur Toxikovigilanz (Befassung 2020-SA-0084), Februar 2024.
  • Anses, „Intoxications accidentelles de l'enfant : quelles sont les plus fréquentes et les plus graves ? Comment les prévenir ?“, Artikel veröffentlicht am 3. Juli 2024.
  • Anses, „Vigil'Anses“ Nr. 22, April 2024.
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