Eine hohe Stillrate zu Beginn, aber eine weiterhin kurze Dauer
In Frankreich wird das Stillen regelmäßig epidemiologisch erfasst. Die Daten aus den nationalen Perinatalerhebungen, die von Santé Publique France und dem INSERM koordiniert werden, stellen die zuverlässigste statistische Referenz zu diesem Thema dar. Laut der Nationalen Perinatalerhebung von 2021 werden etwa 74 % der Neugeborenen bei der Geburt gestillt, womit Frankreich im europäischen Vergleich eine mittlere Position einnimmt.
Diese Zahl verbirgt jedoch eine deutlich differenziertere Realität: Die mediane Stilldauer in Frankreich gehört weiterhin zu den kürzesten in Westeuropa. Ein beträchtlicher Anteil der Mütter beendet das Stillen in den ersten Wochen nach der Geburt, häufig noch vor der vollständigen Rückkehr nach Hause oder sobald sie wieder zu arbeiten beginnt. Diese seit Langem dokumentierte Tatsache besteht trotz der Aufklärungsbemühungen der öffentlichen Hand fort.
Unterschiede je nach sozioökonomischem Profil
Die Daten von Santé Publique France zeigen deutliche Unterschiede je nach Bildungsniveau der Mutter, beruflichem Status und Wohnort. Mütter mit Hochschulabschluss und Mütter in städtischen Gebieten weisen höhere Stillbeginn- und Stilldauerquoten auf. Diese Unterschiede spiegeln nicht ausschließlich individuelle Entscheidungen wider: Sie sind auch Ausdruck ungleicher Zugänge zu professioneller Unterstützung und Informationen sowie zu Arbeitsbedingungen, die eine Fortsetzung des Stillens begünstigen.
Die Empfehlungen der WHO: ein internationaler Referenzrahmen
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich zu stillen und anschließend bis zum Alter von zwei Jahren oder darüber hinaus – je nach Wunsch von Mutter und Kind – weiterzustillen und das Stillen durch eine abwechslungsreiche Ernährung zu ergänzen. Diese Empfehlungen stützen sich auf eine Vielzahl von Forschungsergebnissen, die den Nutzen des Stillens für die Gesundheit des Kindes dokumentieren, insbesondere den Schutz vor Magen-Darm- und Atemwegsinfektionen, sowie für die langfristige Gesundheit der Mutter.
Es ist wichtig klarzustellen, dass diese Empfehlungen ein Ziel der öffentlichen Gesundheitsvorsorge darstellen und keine Vorgabe für jede einzelne Familie sind. Die Haute Autorité de Santé (HAS) betont dies in ihren Empfehlungen für die gute Praxis: Stillunterstützung muss die Autonomie der Eltern respektieren und darf diejenigen nicht mit Schuldgefühlen belasten, die sich für das Stillen entscheiden oder nicht stillen können.
Was die Forschung eindeutig belegt
Der aktuelle wissenschaftliche Konsens erkennt mehrere gut dokumentierte Vorteile des Stillens an. Zu den belastbarsten Erkenntnissen zählt ein geringeres Risiko für akute Mittelohrentzündungen, Magen-Darm-Infektionen und Infektionen der unteren Atemwege bei gestillten Säuglingen. Außerdem wurden Zusammenhänge mit einem geringeren Risiko für den plötzlichen Kindstod beobachtet, auch wenn die genauen Mechanismen noch untersucht werden. Bei Müttern ist das Stillen langfristig mit einem geringeren Risiko für Brust- und Eierstockkrebs verbunden.
Bestimmte weitergehende Aussagen zu langfristigen kognitiven oder verhaltensbezogenen Auswirkungen sind in der wissenschaftlichen Literatur hingegen weiterhin umstritten, insbesondere weil es methodisch schwierig ist, den Effekt des Stillens von anderen sozioökologischen Faktoren zu isolieren. Bei allzu allgemeinen Behauptungen ist daher Vorsicht geboten.
Von Gesundheitsfachkräften identifizierte Hindernisse
Qualitative Studien und Befragungen französischer Mütter identifizieren mehrere Kategorien von Hindernissen für längeres Stillen. Die frühe Rückkehr an den Arbeitsplatz wird am häufigsten genannt. In Frankreich beträgt der gesetzliche Mutterschaftsurlaub je nach Geburtenrang zwischen 10 und 16 Wochen, sodass die Rückkehr ins Berufsleben deutlich vor den von der WHO empfohlenen sechs Monaten erfolgt. Die Organisation des Abpumpens und die Verfügbarkeit geeigneter Räume am Arbeitsplatz sind je nach Arbeitsumfeld weiterhin unterschiedlich.
Auch Schmerzen beim Anlegen, wahrgenommene Schwierigkeiten bei der Milchbildung und mangelnde Unterstützung durch das unmittelbare Umfeld sind als Faktoren für ein frühzeitiges Abstillen dokumentiert. Die Rolle der Gesundheitsfachkräfte in den ersten Stunden und Tagen nach der Geburt wird von der HAS als entscheidend bewertet. Sie empfiehlt eine verstärkte Schulung geburtshilflicher und pädiatrischer Teams in der Stillbegleitung.
Das Label IHAB: ein Instrument zur Strukturierung von Krankenhäusern
Die Initiative Babyfreundliches Krankenhaus (IHAB), die in Frankreich von einem nationalen Komitee getragen und von der WHO und UNICEF anerkannt wird, zielt darauf ab, die Abläufe in Krankenhäusern anhand von zehn stillfördernden Bedingungen zu strukturieren. Im Jahr 2024 ist die Zahl der mit dem IHAB-Label ausgezeichneten Einrichtungen in Frankreich im Vergleich zum europäischen Durchschnitt weiterhin begrenzt, obwohl seit der Wiederaufnahme des Programms ein Anstieg zu beobachten ist. Das Label ist ein Qualitätsindikator für perinatale Versorgung und geht über die reine Frage des Stillens hinaus.
Stillen, Beikost und die Umgebung des Säuglings
Die Ernährung des Säuglings kann nicht isoliert von seiner gesamten Entwicklungsumgebung betrachtet werden. Die Forschung zum Darmmikrobiom des Säuglings – mit dem wir uns in einem eigenen Artikel auf diesem Blog beschäftigt haben – zeigt, dass das Stillen in den ersten Lebensmonaten zur Vielfalt und Stabilität der Darmflora beiträgt, mit möglichen Auswirkungen auf die Reifung des Immunsystems. Diese Erkenntnisse erweitern das Verständnis der biologischen Mechanismen hinter den beobachteten Vorteilen, ändern jedoch nichts an den bestehenden Empfehlungen.
Wenn Sie den Zusammenhang zwischen Ernährung, Mikrobiom und der Gesundheit des Säuglings vertiefen möchten, können Sie unseren Artikel lesen: Das Mikrobiom des Säuglings: Was die Forschung Eltern 2026 zeigt.
Eine Umgebung, die Ruhe und Stillen fördert
Neben den medizinischen und sozialen Aspekten spielen die materiellen Bedingungen des Alltags eine Rolle dabei, wie gut Eltern ihr Kind in den ersten Monaten gelassen begleiten können. Ein organisierter, sicherer und geeigneter Pflegebereich trägt dazu bei, die kognitive Belastung der Eltern in ohnehin anspruchsvollen Momenten zu verringern. In diesem Sinne entwickelt Treelys seine Produkte für Babys und Kleinkinder: Sie sollen den Alltag vereinfachen, ohne ihn zusätzlich zu belasten. Die Treelys-Spielmatte bietet beispielsweise eine durchdachte Bodenfläche für freies Spielen und die Bauchlage – beides entspricht den Empfehlungen von Kinderärzten zur motorischen Entwicklung.
Offizielle Informationsangebote für Eltern
Eltern, die zuverlässige Informationen zum Stillen suchen, können auf die Angebote der HAS und von Ameli, der Website der französischen Krankenversicherung, zurückgreifen. Diese Quellen bieten praktische Leitfäden zum Anlegen, zur Aufbewahrung von Muttermilch und zu besonderen Situationen wie Frühgeburt, Zwillingen oder der Rückkehr an den Arbeitsplatz. Bei Schwierigkeiten empfiehlt es sich, eine Hebamme, eine Kinderkrankenschwester oder eine zertifizierte Stillberaterin nach IBCLC zu konsultieren, statt sich auf nichtprofessionelle Quellen zu verlassen.
Die Entscheidung, ob und wie lange gestillt wird, liegt letztlich bei den Eltern. Ziel der Gesundheitsfachkräfte ist es, sicherzustellen, dass diese Entscheidung frei, auf Grundlage vollständiger Informationen und mit angemessener Unterstützung getroffen werden kann – nicht unter dem Einfluss von Schuldgefühlen oder gesellschaftlichem Druck.