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Bleivergiftung bei Kindern: Zahlen und Prävention

Aquarelle d'une fenêtre et d'une plinthe à la peinture écaillée dans un logement ancien, saturnisme chez l'enfant — Treelys®

Bleivergiftung bei Kindern bezeichnet eine Bleivergiftung, die in Frankreich durch einen Blutbleispiegel von mindestens 50 µg/L definiert ist. Der letzte von Santé publique France veröffentlichte nationale Bericht verzeichnet 417 neue Fälle bei 4 182 Messungen an 0- bis 17-Jährigen im Jahr 2020. Die wichtigste Expositionsquelle bleibt der Staub alter Anstriche in vor 1949 errichteten Wohnungen.

Bleivergiftung bei Kindern: Was die Zahlen des Screenings aussagen

Die Überwachung stützt sich auf das nationale Überwachungssystem für den Blutbleispiegel von Kindern. Jede bei einem Minderjährigen durchgeführte Messung wird dort erfasst, wodurch sich sowohl die Screening-Aktivität als auch die Zahl der Fälle bestimmen lässt.

Die von Santé publique France veröffentlichten Daten für 2020 weisen 4 182 angeordnete Blutbleimessungen bei 0- bis 17-Jährigen aus. Auf dieser Grundlage wurden 417 neue Fälle von Bleivergiftung festgestellt, davon 376 beim ersten Screening.

Diese Zahl der Messungen markiert einen deutlichen Rückgang. 2019 wurden 8 293 Blutbleimessungen durchgeführt, 2018 waren es 7 182. Der 2020 beobachtete Rückgang um die Hälfte wird den Beeinträchtigungen der medizinischen Versorgung während der Covid-19-Epidemie zugeschrieben.

Diese Zahlen müssen mit Vorsicht interpretiert werden. Sie spiegeln das durchgeführte Screening wider, nicht die tatsächliche Prävalenz in der Bevölkerung. Eine sinkende Fallzahl kann auf eine geringere Belastung, aber auch auf eine geringere Zahl getesteter Kinder hindeuten.

Die durchschnittliche Bleibelastung – eine weitere Messmethode

Neben dem gezielten Screening führt Santé publique France Biosurveillance-Studien an repräsentativen Stichproben durch. In der zwischen 2014 und 2016 durchgeführten Esteban-Studie wurde bei Kindern im Alter von 6 bis 17 Jahren ein durchschnittlicher Blutbleispiegel von 9,9 µg/L gemessen.

Bei Erwachsenen im Alter von 18 bis 74 Jahren ergab dieselbe Studie einen Durchschnittswert von 18,5 µg/L gegenüber 27,5 µg/L in der vorherigen Erhebung von 2006–2007. Der allgemeine Trend ist daher rückläufig, begünstigt durch das Verschwinden von verbleitem Benzin und die Sanierung des Gebäudebestands.

Dieser Rückgang bedeutet nicht, dass das Thema erledigt ist. Blei gilt als „Schadstoff ohne Schwellenwert“: Keine Konzentration gilt als unschädlich für ein sich entwickelndes Gehirn.

Welche Schwellenwerte muss man kennen?

Zwei Werte bilden in Frankreich die Grundlage für die Behandlung; beide wurden 2015 vom Hohen Rat für öffentliche Gesundheit festgelegt.

  • 25 µg/L, Warnschwelle: Darüber hinaus müssen eine Kontrolle des Blutbleispiegels und Präventionsmaßnahmen eingeleitet werden.
  • 50 µg/L, Schwellenwert für die verpflichtende Meldung: Seit dem 17. Juni 2015 gilt jede Messung bei einem Minderjährigen, die diesen Wert erreicht oder überschreitet, als meldepflichtiger Fall von Bleivergiftung bei der regionalen Gesundheitsbehörde.

Der Meldegrenzwert lag früher bei 100 µg/L. Seine Senkung auf 50 µg/L spiegelt die neuen Erkenntnisse über die Auswirkungen geringer Bleimengen wider. Santé publique France weist ausdrücklich darauf hin, dass Werte unter 50 µg/L bereits Schäden am zentralen Nervensystem verursachen können.

Woher kommt das Blei, dem ein Kleinkind ausgesetzt ist

Die Hauptquelle ist seit Langem bekannt. Es handelt sich um bleihaltigen Farbstaub und Farb abplatzungen, sogenannte Bleiweißfarbe, die in Wohnungen aus der Zeit vor 1975 und insbesondere vor 1949 vorhanden sind.

Diese Anstriche verschlechtern sich mit der Zeit. Durch das Reiben eines Fensters, Feuchtigkeit oder unzureichend geschützte Arbeiten wird feiner Staub freigesetzt, der sich auf dem Boden in Kinderhöhe absetzt. Dort konzentriert sich das Risiko.

Weitere, weniger häufige, aber reale Aufnahmewege gibt es:

  • Leitungswasser in Gebäuden, die noch mit Bleirohren ausgestattet sind;
  • belastete Böden in der Nähe ehemaliger Industriestandorte;
  • bestimmtes handgefertigtes Geschirr, traditionelle Keramiken und importierte Kosmetika;
  • die berufliche oder freizeitliche Tätigkeit einer nahestehenden Person: Glasmalerei, Gießerei, Töpferei, Sportschießen.

Die Frage nach dem Wasser stellt sich insbesondere bei der Zubereitung von Säuglingsnahrung. Wir haben sie in unserem Artikel über das für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignete Wasser behandelt, in dem die geltenden offiziellen Vorschriften zusammengefasst sind.

Warum Kleinkinder am stärksten gefährdet sind

Vor dem dritten Lebensjahr kommen drei Faktoren zusammen. Das Kind verbringt viel Zeit auf dem Boden, wo sich Staub absetzt. Es führt systematisch seine Hände und Gegenstände zum Mund. Außerdem nimmt sein Körper einen deutlich größeren Anteil des aufgenommenen Bleis auf als der eines Erwachsenen.

Dieser Erkundungsreflex mit dem Mund ist kein Mangel, sondern eine normale Entwicklungsphase, die wir in unserem Artikel darüber beschreiben, warum Babys alles in den Mund nehmen. Er wird nur in einer belasteten Umgebung zu einem Risikofaktor.

Die beschriebenen Auswirkungen betreffen die kognitive Entwicklung: eingeschränkte Lernfähigkeit und Aufmerksamkeitsstörungen. Santé publique France betont, dass sie irreversibel sind. Bei Schwangeren ist die Exposition mit einem erhöhten Risiko für Frühgeburt und Schwangerschaftshypertonie verbunden.

Soll man sein Kind testen lassen?

Ein Screening erfolgt in Frankreich nicht systematisch. Es wird gezielt und auf ärztliche Verordnung durchgeführt, wenn ein Risikofaktor festgestellt wurde. Der Arzt, der das Kind betreut, entscheidet über die Indikation.

Die Situationen, in denen man das Thema ansprechen sollte, sind recht eindeutig. An erster Stelle steht das Leben oder der regelmäßige Aufenthalt in einer vor 1949 erbauten und beschädigten Wohnung. Hinzu kommen kürzlich durchgeführte Arbeiten in einer solchen Wohnung, die Nähe zu einem Industriestandort, ein bereits getesteter Bruder oder eine bereits getestete Schwester oder eine berufsbedingte Exposition eines Elternteils.

Die Untersuchung besteht aus einer einfachen Blutentnahme. Die Kosten werden übernommen, und das Ergebnis gibt unmittelbar vor, wie weiter vorzugehen ist. Bei einer Überschreitung des Grenzwerts leitet die regionale Gesundheitsbehörde eine Umweltuntersuchung zu Hause ein.

Vorbeugende Maßnahmen, die tatsächlich Wirkung zeigen

Vorbeugung setzt in erster Linie beim Staub und bei den Händen an. Sie sind die beiden Glieder der Expositionskette.

  • Feucht reinigen, statt zu fegen oder trocken zu saugen, da dadurch Staub wieder aufgewirbelt wird.
  • Vor jeder Mahlzeit und nach jedem Spielen auf dem Boden die Hände waschen.
  • Alte Farbe niemals schleifen oder abkratzen, wenn ein Kind anwesend ist, und diese Arbeiten einer Fachkraft überlassen, die über das Risiko informiert ist.
  • Das Wasser einige Augenblicke laufen lassen, bevor es für Lebensmittel verwendet wird, und bei einem alten Leitungsnetz ausschließlich kaltes Wasser nutzen.
  • Beschädigte Bereiche abdecken, bis sie repariert werden können, anstatt die Farbe abblättern zu lassen.
  • Täglich lüften – das gilt auch für sämtliche Schadstoffe in Innenräumen.

Dieser letzte Punkt knüpft an ein umfassenderes Thema an, das wir in unserem Artikel über Innenraumluftverschmutzung und die Gesundheit von Babys dokumentiert haben. Dieselben Maßnahmen helfen gegen mehrere Schadstoffgruppen.

Der Boden als ständiger Kontaktpunkt

Da die Belastung über den auf dem Boden abgelagerten Staub erfolgt, verdient die Fläche, auf der das Kind spielt, Aufmerksamkeit. Eine abwaschbare Unterlage auf einem alten Parkettboden, die regelmäßig mit Wasser gereinigt wird, begrenzt den direkten Kontakt.

Die Kriterien für die Auswahl einer Spielfläche – Material, Freiheit von bedenklichen Stoffen und Pflege – werden in unserem Ratgeber über Materialien und die Sicherheit von Schaumstoffmatten ausführlich erläutert.

Die Frage nach Blei in Produkten für Kinder fällt hingegen unter einen anderen Rechtsrahmen. Die zulässigen Gehalte werden durch die REACH-Verordnung und die Spielzeugnorm geregelt, wie wir in unserem Artikel über Zertifizierungen für Babyprodukte erklären. Unser Ratgeber zur chemischen Sicherheit von Babyprodukten ergänzt diesen Überblick.

Das Wichtigste in Kürze

Die Bleivergiftung bei Kindern ist in Frankreich stark zurückgegangen, aber nicht verschwunden. Sie konzentriert sich weiterhin auf vernachlässigten Altbaubestand und betrifft vor allem Kinder unter sechs Jahren.

Drei Anhaltspunkte reichen zur Orientierung aus: das Baujahr der Wohnung, der Zustand der Anstriche und das Alter des Kindes. Wenn diese drei Faktoren zusammentreffen, sollte die Frage nach einer Untersuchung mit dem Arzt besprochen werden.

Die aktuellsten nationalen Daten stammen schließlich aus dem Jahr 2020 und wurden 2022 online veröffentlicht. Diese Verzögerung ist bei dieser Art der Überwachung üblich und spricht dafür, regionale Veröffentlichungen zu verfolgen, die oft aktueller sind.

Quellen

  • Santé publique France, Dossier „Bleivergiftung bei Kindern“, Abschnitt „Daten“, aktualisiert am 4. November 2022 (Daten von 2020 aus dem nationalen Überwachungssystem für den Bleigehalt im Blut von Kindern).
  • Santé publique France, Dossier „Bleivergiftung bei Kindern“, Abschnitt „Die Krankheit“ (Expositionsquellen, gesundheitliche Auswirkungen, Schwellenwert von 50 µg/L).
  • Haut Conseil de la santé publique, Stellungnahme von 2015, in der der Warnschwellenwert auf 25 µg/L festgelegt wurde; seit dem 17. Juni 2015 besteht ab 50 µg/L Meldepflicht.
  • Santé publique France, Studie Esteban 2014–2016, Teil zur Bleibelastung der französischen Bevölkerung.
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