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Mikroplastik und Babyflaschen: Was die Daten sagen

Microplastiques et biberon : collage éditorial en papiers découpés évoquant des particules dispersées, Treelys®

Mikroplastik und Babyfläschchen: Was messen die Studien tatsächlich?

Eine 2020 veröffentlichte Studie maß bei der Zubereitung von Säuglingsmilch bis zu 16,2 Millionen Mikroplastikpartikel pro Liter, die von Polypropylenfläschchen freigesetzt wurden. Die europäischen Gesundheitsbehörden kamen dennoch mangels ausreichender Daten zu keinem Nachweis eines Risikos. Das Thema ist daher hinsichtlich der Exposition dokumentiert, nicht jedoch hinsichtlich der Auswirkungen.

Diese Diskrepanz zwischen einer spektakulären Messung und einer weiterhin offenen Risikobewertung muss erklärt werden. Genau das leistet dieser Artikel anhand von Zahlen und Quellen.

Was die in Nature Food veröffentlichte Studie gezeigt hat

Hohe Zahlen, unter genau festgelegten Bedingungen ermittelt

Die Arbeit wurde am 19. Oktober 2020 in der Zeitschrift Nature Food veröffentlicht. Sie befasste sich mit Fläschchen aus Polypropylen, dem am häufigsten für diese Art von Behältern verwendeten Kunststoff.

Die Forscher befolgten das international empfohlene Zubereitungsprotokoll: Sterilisation der Flasche und anschließende Zubereitung der Milch mit heißem Wasser.

Die gemessene Freisetzung erreichte bis zu 16,2 Millionen Partikel pro Liter. Die Sterilisation und der Kontakt mit Wasser hoher Temperatur erhöhten diese Freisetzung deutlich.

Auf Grundlage dieser Messungen schätzten die Autoren die tägliche Exposition von Säuglingen in 48 Regionen der Welt. Die ermittelten Werte reichten von 14.600 bis 4.550.000 Partikeln pro Person und Tag.

Was die Studie nicht aussagt

Die Autoren äußerten sich hierzu eindeutig. Sie kommen zu dem Schluss, dass dringend bewertet werden muss, ob eine Exposition gegenüber diesen Mengen ein Gesundheitsrisiko für Säuglinge darstellt.

Mit anderen Worten: Die Studie quantifiziert eine Exposition. Sie weist keine gesundheitliche Wirkung nach und behauptet auch nicht, dies zu tun.

Diese Unterscheidung ist entscheidend. Die Aussage „Partikel sind vorhanden“ mit „diese Partikel sind schädlich“ zu verwechseln, bedeutet, einen ganzen Schritt der wissenschaftlichen Argumentation zu überspringen.

Wie ist der Stand bei den Gesundheitsbehörden?

Die EFSA ist zu keinem Schluss gekommen

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit gibt an, noch keine umfassende Risikobewertung zu Mikro- und Nanoplastik in Lebensmitteln abgeschlossen zu haben. Sie erklärt, derzeit keine Aussage über mögliche gesundheitliche Auswirkungen treffen zu können.

Eine Erklärung vom Juni 2016 hatte bereits auf erhebliche Unsicherheiten und das Fehlen standardisierter Methoden zum Nachweis und zur Quantifizierung dieser Partikel hingewiesen. Die im August 2021 veröffentlichten Arbeiten bestätigten erhebliche Wissenslücken.

Das Europäische Parlament hat ein wissenschaftliches Gutachten angefordert. Die Frist ist auf Ende 2027 festgelegt.

Eine am 21. Oktober 2025 von der EFSA veröffentlichte Literaturübersicht liefert eine wichtige Nuance. Sie kommt zu dem Schluss, dass diese Partikel tatsächlich aus Verpackungen und Utensilien migrieren, allerdings in deutlich geringeren Mengen als von einigen früheren Studien nahegelegt.

Fehlende offizielle Überwachung

Derzeit gibt es kein europäisches Überwachungssystem für Mikroplastik in Lebensmitteln. Dieses Fehlen erklärt teilweise die wenigen Daten aus der Praxis.

Die 2025 veröffentlichte Norm ISO 16094-2 definiert Mikroplastik als Partikel, deren größte Abmessung zwischen 1 Mikrometer und 5 Millimetern liegt. Dass diese Definition erst kürzlich festgelegt wurde, zeigt, wie sehr sich dieses Forschungsfeld noch entwickelt.

Nanoplastik stellt eine eigenständige Herausforderung dar. Da es schwieriger nachzuweisen und möglicherweise besser bioverfügbar ist, liegen dazu besonders wenige Daten vor.

Warum die Zahlen je nach Quelle so stark variieren

Schätzungen zur allgemeinen Exposition über die Nahrung gehen je nach Land von 28 bis 502 Mikroplastikpartikeln pro Person und Tag aus. Der Unterschied zu den Millionen Partikeln, die auf den Fläschchen gemessen wurden, ist schwer nachvollziehbar.

Das liegt an den Methoden. Allgemeine Schätzungen beziehen sich auf verschiedene Lebensmittel, mit anderen Nachweisgrenzen und Partikelgrößen als in der Studie zu Babyflaschen.

Hinzu kommt das Fehlen eines standardisierten Analyseverfahrens. Zwei Labore, die dieselbe Probe untersuchen, können zu unterschiedlichen Größenordnungen gelangen.

Genau darauf weisen die Behörden hin: Die Daten sind weiterhin zu lückenhaft, um die tatsächliche Exposition zu bestimmen und mit toxikologischen Grenzwerten in Beziehung zu setzen.

Sollte man die Plastikflasche aufgeben?

Keine Gesundheitsbehörde empfiehlt dies derzeit. Polypropylen ist für den Kontakt mit Lebensmitteln weiterhin zugelassen, und seine Verwendung wird regulatorisch nicht infrage gestellt.

Eine Glasflasche stellt eine Alternative ohne Freisetzung von Kunststoffpartikeln dar. Dafür besteht ein höheres Bruchrisiko und sie ist schwerer – je nach Nutzung gilt es, diese Aspekte abzuwägen.

Es besteht ein echtes Risiko, überzureagieren. Auf korrekt zubereitete Säuglingsnahrung zu verzichten oder die Mischungsverhältnisse zu verändern, setzt das Kind seit Langem dokumentierten ernährungsbedingten Gefahren aus.

Die Zubereitung der Säuglingsnahrung unterliegt weiterhin genauen Regeln, insbesondere hinsichtlich des verwendeten Wassers. Wir haben diese in welches Wasser für die Fläschchenzubereitung ausführlich erläutert.

Maßnahmen, die die Freisetzung verringern

Die Messungen der Studie weisen selbst auf die Handlungsmöglichkeiten hin, da die Hitze der entscheidende Faktor ist.

Bereiten Sie die Milch in einem nicht aus Kunststoff bestehenden Gefäß zu und füllen Sie sie um, sobald die Temperatur gesunken ist. Das ist die Maßnahme, die am unmittelbarsten auf den ermittelten Mechanismus einwirkt.

Spülen Sie die Babyflasche nach dem Sterilisieren mit abgekühltem Wasser aus, statt sie sofort mit sehr heißem Wasser zu füllen.

Vermeiden Sie es, eine mit sehr heißer Flüssigkeit gefüllte Plastikflasche kräftig zu schütteln. Die mechanische Bewegung bei Hitze begünstigt das Ablösen von Partikeln.

Ersetzen Sie schließlich sichtbar zerkratzte oder trübe Babyflaschen. Eine beschädigte Oberfläche gibt mehr Stoffe ab als eine intakte Oberfläche.

Was diese Untersuchung über die Wahl der Materialien aussagt

Der zugrunde liegende Mechanismus ist nicht auf Babyflaschen beschränkt. Er betrifft die Alterung von Kunststoffen, die Hitze, Reibung und Zeit ausgesetzt sind.

Das ist ein konkretes Argument für langlebige Ausrüstung aus stabilen Materialien, die einmal gekauft wird, statt sie jedes Jahr zu erneuern. Diese Logik knüpft an das an, was wir über Materialien und die Sicherheit von Schaumstoffmatten ausführlich erläutern.

Das gilt auch für Zertifizierungen. Wie man die tatsächlichen Anforderungen erkennt, wird in unserem Leitfaden zu den CE-, REACH-, EN-71- und OEKO-TEX-Zertifizierungen erklärt.

Eine Produktbeschreibung lesen zu können, bleibt die nützlichste Kompetenz. Die Methode wird in unserem Leitfaden zum Lesen eines technischen Datenblatts beschrieben.

Diese Anforderung an das Material bildet die Grundlage für unser Vorgehen, das auf der Seite Über uns vorgestellt wird.

Quellen

  • Li D. et al., „Microplastic release from the degradation of polypropylene feeding bottles during infant formula preparation“, Nature Food, 19. Oktober 2020.
  • Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), Themenseite „Microplastics and nanoplastics in food“, abgerufen im September 2026.
  • EFSA, „Literature review on micro- and nanoplastic release from food contact materials during their use“, 21. Oktober 2025.
  • EFSA, Stellungnahme zu Mikro- und Nanoplastik in Lebensmitteln, 23. Juni 2016, sowie Tagungsband des wissenschaftlichen Kolloquiums Nr. 25, 31. August 2021.
  • Plattform zur Überwachung der Lebensmittelkette, „Mikroplastik in Lebensmitteln“, 5. Februar 2026.
  • Norm ISO 16094-2, 2025, Definition von Mikroplastik.
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