Sprache vor den Wörtern: Warum man bereits ab der Geburt beginnen sollte
Viele Eltern fragen sich leise, manchmal mit ein wenig Verlegenheit, ob es wirklich sinnvoll ist, mit einem Neugeborenen zu sprechen. Es versteht die Wörter nicht, antwortet nicht und schläft drei Viertel der Zeit. Und doch ist die Forschung auf dem Gebiet der Entwicklungsneurowissenschaften eindeutig: Die ersten Lebenswochen und -monate sind eine Phase außergewöhnlicher neuronaler Plastizität. Was das Kind in dieser Zeit hört, prägt buchstäblich die Architektur seines Gehirns.
Die Arbeiten von Patricia Kuhl, Forscherin an der University of Washington und Spezialistin für die Sprachentwicklung bei Kindern, haben gezeigt, dass das Gehirn eines Säuglings bis etwa zum sechsten Lebensmonat in der Lage ist, die Laute aller Sprachen der Welt zu verarbeiten. Danach spezialisiert es sich zunehmend auf die Laute seiner Muttersprache. Jeder sprachliche Austausch, jede vorgelesene Geschichte und jeder Kommentar zum Alltag trägt zu dieser frühen und unersetzlichen Abstimmung bei.
Was die Wissenschaft über das Sprachbad sagt
Der Begriff „Sprachbad“ bezeichnet die kontinuierliche und natürliche Begegnung eines Kindes mit der menschlichen Sprache von seinen ersten Lebenstagen an. Gemeint sind keine strukturierten Lerneinheiten, sondern die alltägliche, lebendige Sprache, die im Verlauf des täglichen Lebens direkt an das Kind gerichtet wird.
Eine von den Forschern Hart und Risley durchgeführte und bereits 1995 veröffentlichte Längsschnittstudie stellte einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen der Anzahl der in den ersten Lebensjahren gehörten Wörter und den späteren sprachlichen Fähigkeiten fest. Ihre Daten legen nahe, dass sich bereits im Alter von drei Jahren je nach sprachlichem Reichtum der familiären Umgebung eine Differenz von mehreren Millionen gehörten Wörtern zwischen Kindern entwickeln kann.
Neuere fMRT-Studien (funktionelle Magnetresonanztomografie) haben zudem bestätigt, dass sich sprachbezogene Hirnregionen bei Säuglingen aktivieren, wenn sie menschlicher Sprache ausgesetzt sind – und zwar lange bevor sie in der Lage sind, auch nur ein einziges Wort zu äußern.
An das Kind gerichtete Sprache: eine natürliche und instinktive Form
Die „Babysprache“ erfüllt eine echte Funktion
Manchmal wird diese spontane Art, mit der Erwachsene ihre Stimme modulieren, wenn sie sich an ein kleines Kind wenden, als „Mutterisch“ oder „parentese“ bezeichnet: eine höhere Stimmlage, ein langsameres Tempo, stärker betonte Intonationen und häufige Wiederholungen. Diese instinktive stimmliche Anpassung ist keineswegs nebensächlich, sondern erfüllt eine ganz bestimmte Funktion. Sie zieht die Aufmerksamkeit des Säuglings an und hält sie aufrecht, markiert die Grenzen zwischen den Wörtern und erleichtert die Gliederung des Lautstroms.
Die Haute Autorité de Santé (HAS) und Fachkräfte der frühkindlichen Betreuung empfehlen Eltern daher, ohne Bedenken natürlich und herzlich mit ihrem Kind zu sprechen, ohne ihre Ausdrucksweise künstlich korrigieren oder vereinfachen zu wollen. Die Authentizität der Beziehung ist wichtiger als sprachliche „Leistung“.
Die Bedeutung von Blickkontakt und Sprecherwechsel
Mit einem Baby zu sprechen bedeutet nicht nur, Laute von sich zu geben. Es bedeutet, einen echten Kommunikationsablauf zu beginnen, der Blickkontakt, eine Pause und das Warten auf eine Reaktion umfasst – selbst wenn diese noch so klein ist. Der sogenannte „Sprecherwechsel“ entwickelt sich sehr früh: Der Elternteil spricht, das Baby antwortet mit einem Gurren, einer Bewegung oder einem Gesichtsausdruck; der Elternteil greift dies wieder auf. Dieser Wechsel, auch wenn er noch unausgewogen ist, bildet die Grundlage für Dialog und Beziehung.
Die entwicklungspsychologische Forschung, insbesondere jene aus der Piaget nachfolgenden Genfer Schule, betont, dass das Kind kein passiver Empfänger von Sprache ist. Es beteiligt sich von den ersten Tagen an aktiv an der Kommunikation, und seine Reaktionen – so unauffällig sie auch sein mögen – verdienen es, als solche wahrgenommen zu werden.
Sprache in die alltäglichen Handlungen integrieren
Es braucht weder pädagogische Programme noch eigens dafür vorgesehene Zeit. Im Alltag gibt es zahlreiche Gelegenheiten, mit dem eigenen Kind zu sprechen, wenn man sie erkennt und ganz selbstverständlich nutzt.
Während der Körperpflege
Das Windelwechseln, Baden und Anziehen sind Momente intensiven körperlichen Kontakts, die sich ganz natürlich für sprachlichen Austausch eignen. Körperteile benennen, beschreiben, was man tut („Ich ziehe dir deinen weichen Body an“), oder laut ankündigen, was als Nächstes geschieht („Jetzt waschen wir dir die Haare“): Diese kleinen Alltagserzählungen schaffen einen vertrauten Rahmen und erweitern den Wortschatz auf konkrete und anschauliche Weise.
Während der Mahlzeiten und beim Tragen
Ob Stillen oder Fläschchen – jede Mahlzeit bietet Gelegenheit für Nähe und Sprache. Auch beim Tragen bleiben die Hände frei und der Austausch von Angesicht zu Angesicht wird gefördert. In diesen Augenblicken mit dem Kind zu sprechen, ist nicht künstlich, sondern eine natürliche Verlängerung der Beziehung, die man aufbaut.
Schon in den ersten Wochen vorlesen
Einem Neugeborenen vorzulesen kann verfrüht erscheinen. Dennoch gehört es zu den Praktiken, die Logopäden und Kinderärzte besonders empfehlen. Pappbilderbuch, Kinderreim und Wiegenlied: All diese Klangformen bereichern die sprachliche Umgebung des Kindes und schaffen starke emotionale Rituale. Die Verbindung von gemeinsamem Vergnügen und Sprache bildet zudem die Grundlage für die spätere Beziehung zum Lesen.
Mehrere Sprachen: Muss man sich wegen früher Mehrsprachigkeit Sorgen machen?
Viele Familien in Frankreich leben mit zwei oder mehr Sprachen. Die Frage nach früher Mehrsprachigkeit taucht oft mit einer unterschwelligen Sorge auf: Könnte das Sprechen mehrerer Sprachen mit einem Baby es nicht „verwirren“ oder seine Entwicklung verzögern?
Die Antwort der Fachleute ist eindeutig: nein. Kinder, die von Geburt an mehreren Sprachen ausgesetzt sind, entwickeln ebenso solide sprachliche Fähigkeiten wie einsprachig aufwachsende Kinder – zusätzlich weisen sie nachweislich eine größere kognitive Flexibilität auf. Die manchmal beobachtete leichte „Verzögerung“ beim Auftreten der ersten Wörter ist statistisch nicht signifikant und gleicht sich von selbst aus.
Auch die Académie Française hat in einer gemeinsamen Veröffentlichung mit wissenschaftlichen pädiatrischen Fachgesellschaften die Vorteile früher Mehrsprachigkeit anerkannt, wenn sie auf natürliche und liebevolle Weise ohne Druck oder Hierarchie zwischen den Sprachen erlebt wird.
Wann man sich Sorgen machen sollte und an wen man sich wenden kann
Die Sprachentwicklung folgt allgemeinen Etappen, aber jedes Kind entwickelt sich in seinem eigenen Tempo. Als Orientierung und gemäß den von der Société Française de Pédiatrie festgelegten Richtwerten spricht ein Kind seine ersten verständlichen Wörter im Allgemeinen etwa mit 12 Monaten und beginnt im Alter von etwa 18 bis 24 Monaten, zwei Wörter miteinander zu verbinden. Diese Richtwerte sind jedoch Durchschnittswerte und keine absoluten Normen.
Wenn Sie feststellen, dass ein Kind mit etwa 9 Monaten überhaupt nicht brabbelt, nicht auf vertraute Stimmen reagiert oder in jedem Alter bereits erworbene sprachliche Fähigkeiten wieder verliert, ist es sinnvoll, dies mit Ihrem Kinderarzt oder Hausarzt zu besprechen. Eine logopädische Untersuchung kann bereits im sehr jungen Alter verordnet werden, und eine frühzeitige Intervention ist, falls sie notwendig sein sollte, immer wirksamer als eine späte.
Die Website Ameli.fr bietet zuverlässige Informationen zu den Entwicklungsphasen des Kindes, und im Gesundheitsheft finden Sie die von der HAS bestätigten offiziellen Richtwerte.
Sprache als Fürsorge: eine Philosophie des Alltags
In einer Zeit, die von visuellen Reizen und Bildschirmen überflutet ist, bleibt die menschliche Sprache – lebendig, verkörpert und an das Kind gerichtet – das wertvollste und kostengünstigste Entwicklungsinstrument, das man einem Kind bieten kann. Sie erfordert weder Technologie noch materielle Investitionen. Sie verlangt lediglich Präsenz, Aufmerksamkeit und die Überzeugung, dass dieses kleine Wesen, auch wenn es noch nicht spricht, Sie hört und auf seine Weise antwortet.
Genau das vertritt Slow Parenting: so weit zu entschleunigen, dass man Dinge benennen, die Welt erzählen und ein Wiegenlied singen kann, ohne auf das Handy zu schauen. Diese scheinbar gewöhnlichen Momente sind für das Gehirn eines Kindes prägende Augenblicke.
Wenn Sie einen Spielbereich auf dem Boden einrichten, um diesen Austausch von Angesicht zu Angesicht zu fördern, wurde die Treelys-Spieldecke dafür konzipiert, diese Momente der Nähe und der sensorischen Erkundung in den ersten Lebensmonaten zu unterstützen. Sie bietet einen weichen und sicheren Rahmen für die Bauchlage, also genau für jene Augenblicke, in denen Sprache, Blickkontakt und Berührung ganz natürlich zusammenkommen.
Wenn Sie weitere Aspekte des Elternseins vertiefen möchten, können Sie auch unseren Artikel über das Weinen von Säuglingen oder unseren Ratgeber zum Schlaf von Eltern lesen.